Ürner Tytsch (Urner Deutsch)

Folgende Urner Ausdrücke
sind in der Neuen Urner
Zeitung erschienen:

«Beesät äs?»

Helen Busslinger-Simmen
Bevor die Urner Täler eingeschneit sind, sagen Unglückspropheten einen Winter fast ohne Touristen voraus. Offenbar «beesät äs» (es verschlimmert sich) wieder einmal. Diesmal soll es die Wintersaison betreffen: Restaurants, Hotels, Skilifte und Seilbahnen würden zu wenig benützt, heisst es.

Eine ähnliche, anders gelagerte Unglücksbotschaft hatten wir schon einmal. Damals, als ein Komiker im Fernsehen mit einem «tyyflischä» (teuflischen) Funkeln in den Augen sagte: «Die Pandemie kommt.» Glücklicherweise gab es bloss normale Grippewellen wie jedes Jahr. Die Hiobsbotschaft war ein Sturm im Wasserglas, mehr noch: eine Zumutung.

Nachrichten, die ein «Miseeri» (Unglück) voraussagen, häufen sich. Nähme man sie immer ernst, hätte man ein ziemlich unglückliches Leben. Aber «äs beesät nid immer und zäntummä» (nicht immer und überall)! Zum Beispiel wächst das politische Interesse in der Innerschweiz. Das kulturelle Leben blüht, und man feiert rund ums Jahr die festlichen Zeiten.

«Es beesät» aber bei den Medien wegen ihrer Hektik. Ereignisse werden hochgespielt und ungenau weitergegeben. Wie etwa nach den letzten Wahlen! Radio und Fernsehen verbreiteten Hochrechnungen fast wie Endresultate, und diese setzten sich in den Köpfen fest.

Eine Art Gegenstimme zu «äs beesät» sind die alten Lieder («Zogä am Bogä») des Urner Musikers Bärti Jütz. Er lebte nicht in besseren Zeiten (1901–1925), aber seine Lieder sind pure Lebenslust. Das brauchen wir gegen «uggrymti» (ungesunde) Schwarzmalerei.