Farbe – wo du hinschaust.
Franz: Gestern im Zug sah ich einen Mann, von Kopf bis Fuss in Gold: Goldige Schuhe, Hose, Jacke. Kurz tauchte in meinem arbeitsgeschädigten Hirn die Frage auf: Haben wir Fasnacht? – Nein, haben wir nicht. Hanni: Wir haben einen Farbensommer. Franz: Dann stieg ein seltsam gekleidetes Wesen ein, das ich aber sofort nicht der Fasnacht zuordnete. Gelbe Helmmütze, schwarzweisse Trägerhose, hellgrünes Shirt, blaue Sportschuhe. Gewitzt sagte ich mir: Ein eindeutiger Fall von einem Biker. Hanni: Kürzlich sah ich eine junge Frau mit hellgrünem Shirt, engen Hosen in Orange, mit bunt bedruckten Hängekleid und dem obligatorischen Halsweh-Tuch. Und mit getupften Schuhen. Franz: Ja dü seisch! Ohne farbige Schuhe gehört man einfach nicht mehr dazu. Hanni: Neuerdings trägst du eine riesige Sonnenbrille... Franz: Man muss mit der Zeit gehen. Die Farben bringen Abwechslung in den Alltag. Hanni: Es ist spannend! Was sahst du sonst noch im Zug? Franz: Ein Teenager im Schotten-Karo-Look setzte sich neben mich. Ich frage ihn, ob das etwas bedeute. Er sagte. Schotten-Look ist für Punks, wie ich einer bin, ein Muss. Hanni: Da fehlen nur noch die Trachtenleute! Franz: Stimmt. Im andern Wagen war ein Appenzeller Trachtenverein auf Reisen: Männer in gelben Hosen und weissen Strümpfen. Hanni: Warum tragen diese Männer ein Löffeli im Ohr? Franz: Man weiss es nicht genau, irgendwie ein Trick. Oder ein Witz. Hanni: Ich habe in einer Auslage rosa Turnschuhe gesehen und dachte: Das wäre etwas für mich. Franz: Du bist auch schon angesteckt... Hanni: Eigentlich kann man anziehen, was man will. Es gibt keinen Kleider-Code mehr. Franz: Ja, dü seisch äs. Vorgestern sah ich.. Hanni: Entschuldigung, ich muss gehen. Ins Schuhgeschäft.