Der die trommelbaren Bilder erfunden hat
Dietikon Limmattalk mit Musiker und Maler René Gubelmann
Im gut besetzten Stadtkeller berichtet René Gubelmann von seinem faszinierenden Leben als Maler und Musiker, wobei LT-Chef
Daniel Winter ihn zu den einzelnen Lebensstationen befragt.
Helen Busslinger-Simmen
Während andere Kinder die Kletterstange hinauf geklettert seien oder sich am Boden gebalgt hätten, habe er Bilder im Kopf gehabt, sagt Gubelmann auf die
Frage nach seiner Jugendzeit. Musik und Malen hätten ihn immer gleichzeitig interessiert. Als er zum ersten Mal eine Kunstkarte von Maler Mondrian gesehen
habe, sei sie ihm nicht mehr aus dem Sinn gegangen. Auf seinen Ausbildungsweg befragt, sagt er: „Es war wohl folgerichtig, dass ich im Konservatorium
die Ausbildung für klassisches Schlagzeug absolviert und an der damaligen Kunstgewerbeschule die Malfachklasse besucht habe.“
Grosse Zeiten
„Es war mein grosser Wunsch in einer Big Band Schlagzeug zu spielen, Soul, Rock und Bossa Nova“, bekennt Gubelmann und berichtet, dass ihm in den
Sechziger Jahren eine Anfrage einer ungarischen Band, die in Zürich gastierte, gerade Recht gekommen sei. In einer berühmten Band als Schlagzeuger in
Budapest, mit Auftritten in Hallen mit Tausenden von Zuhörenden, das seien für ihn musikalisch erfolgreiche Zeiten gewesen.
„Und die Rückkehr in die Schweiz?“ fragt Daniel Winter und erhält zur Antwort, das sei ein Kulturschock gewesen. Wenn Gubelmann seinen Bekannten
von Budapester Highlights erzählte, begegnete er ungläubigen Gesichtern. Doch glücklicherweise wendete sich das Blatt, wie Gubelmann strahlend berichtet:
„Bald wurde ich von Hans Moeckel in die ehemalige DRS-Big-Band geholt, mit der im In- und Ausland auf Tournee war.“ Daniel Winter weist auf
die Engagements in der Tonhalle und im Opernhaus und auf die Auftritte im Fernsehen als Vibraphonist hin. Gubelmann: „Ich spiele in
verschiedenen Kleinformationen Schlagzeug, etwa demnächst im ‚Moods’ in Zürich. Ich mag es, als Freischaffender tätig zu sein, denn ich will mich
nicht kommerziellen Zwängen unterwerfen.“
Musik malen
Trotz seiner vielfältigen musikalischen Tätigkeiten sei ihm das Malen nie aus dem Sinn gegangen, berichtet Gubelmann. „Ich suchte lange und fand einen Weg,
Musik mit Malen zu verbinden, so entstanden die Rhythmusbilder.“ Fasziniert erleben die Gäste im Stadtkeller, wie das auf der Bühne ausgestellte Bild
entstanden ist. Gubelmann setzt sich ans Schlagzeug, spielt zuerst langsam und immer schneller, dann einen Trommelwirbel, dazu erklärt er, wie er seine
von ihm erfundene Notenschrift auf dem ausgestellten Bild gemalt hat.
Man ist im Stadtkeller einigermassen sprachlos und staunt über das ausgeklügelte Vorgehen und die Ausdruckskraft des ausgestellten Bildes: Eine
energiegeladene Umsetzung von Rhythmus in Bildsprache. „Sie sind ein berühmter Vertreter der so genannten ‚Konkreten’, die in der Stadt Zürich eine
grosse Bedeutung haben“, stellt Winter fest.
Auf der Suche nach dem goldenen Schnitt
„Ich wende den so genannten ‚goldenen Schnitt’ an; ich will Spannung und Harmonie zugleich in meine Werke reinbringen“, sagt Gubelmann und berichtete,
dass er seine Bilder fast fertig im Kopf habe, bis er sie dann auf die Leinwand setze. Seine Arbeit an einem Bild nimmt Tage bis Wochen in Anspruch, da alles
von Hand gemalt ist. Zu seiner Freude gäbe es bereits Sammler, die sich auf Gubelmann-Bilder spezialisieren.
Winter fragt nach, wie es gekommen sei, dass er neuerdings sein Vorgehen interessierten Leuten zeigt. Gubelmann: „Es fragten mich so viele Leute, wie ich
die Bilder male, ich musste alles so oft erklären, bis ich aus der Not eine Tugend machte und eine Art Einführung mit Beamer vorbereitete“, schmunzelt
Gubelmann.
Kultur in Dietikon
Am Schluss des spannenden Gesprächs lag die Frage nach der Bedeutung von „Kultur in Dietikon“ sozusagen in der Luft und Winter machte sie denn auch
zum Thema: „Wie soll sich das Kulturleben in Dietikon weiter entwickeln? Welche Ideen haben Sie?“ Gubelmann äusserte den Wunsch, dass man von
den Stadtbehörden her den Kulturbegriff neu definiere und wies auf die neuen Projekte rings um die „Krone“ hin. „Warum nicht hier ein Museum einrichten“, fragte
er provokativ. Seine Vision von einem Dietiker Museum mit einem „einzigen Bild“ beim Publikum fand bei den Gästen Anklang. Rings um die Bar wurde nach
dem Limmattalk angeregt weiter diskutiert. Man hatte sich vom Dietiker Multitalent inspirieren lassen.