Wo die Liebe hinfällt

Folgende Porträts sind im
Limmattaler Tagblatt erschienen:
Hochzeitsfest mit russischem Flair

Hochzeitsfest mit russischem Flair

Liebesgeschichte

Helen Busslinger-Simmen
Dass wir in einem Internet-Café unsere Telefonnummern austauschten, war bezeichnend: Wir beherrschen die modernen Technologien - es sind unsere Arbeitsinstrumente. Heute arbeiten wir sogar in der gleichen Firma, ER als Operation Manager und SIE als Marketing Werkstudentin. Dass wir hier leben, ist alles andere als selbstverständlich, - wir kommen aus Minsk in Weissrussland. Von Minsk auf bewarben wir uns gleichzeitig um Praktikumsstellen und Stipendien in Deutschland. ER erhielte eine Praktikumsstelle in Bremerhaven, SIE ein Stipendium für ein Deutschstudium in Bremen. Die Freude darüber, dass wir in Deutschland arbeiten und studieren konnten, kann man sich kaum vorstellen. Selbstverständlich besuchten wir einander, so oft es ging, wir reisten hin und her und her und hin.

Zueinander reisen im Zug, wohnen in Studentenheimen- das war lange Zeit unser „way of live“. Als ER eine Stelle in Zürich und SIE in Bern erhielt, gings mit den wöchentlichen Zugfahrten munter weiter. Wir waren froh um das Angebot der SBB, das sich „Gleis 7“ nennt und mit dem man bis zu 25 Jahren ab 19 Uhr für 99 Franken im Jahr herumreisen kann. Als SIE ihr Austauschjahr an der Universität Bern beendet hatte, war das Zigeunerleben zu Ende. Mit viel Glück erhielten wir ein Zimmer im Studentenheim in Zürich.

Das Herumreisen hat uns die Schweiz nahe gebracht. Heute wandern wir regelmässig im Zürcher Oberland, wir lernten Skifahren und Rösti essen, sprechen fast perfekt Deutsch und verstehen die Mundart. Sogar Dialektkurse haben wir besucht, denn wir haben Freude an sprachlichen Eigenheiten und Besonderheiten.

Das Hochzeitsfest mit unsern weissrussischen Verwandten und zahlreichen Freunden aus der Schweiz, Deutschland, Russland und Italien war die Krönung unserer Lehr- und Wanderjahre. Wir feierten im Swissôtel, benutzten den Tag des Zürifestes für eine Schifffahrt auf dem See und genossen mit der ganzen Hochzeitsgesellschaft das Feuerwerk vom Schiff aus. Dass unsere Verwandten in Russland denken, der Feuerzauber am Nachthimmel sei für uns entfacht worden, ist eine hübsche Anekdote. Selbstverständlich werden wir in Minsk unser Hochzeitsfest nachholen, in der Kirche, nach russisch-orthodoxem Ritus.

Immer noch staunen wir darüber, dass die bürokratischen Wege in der Schweiz so unkompliziert sind. In Minsk waren wir gewohnt, nach vorherigen langen Wartefristen wochenlang vor den staatlichen Einrichtungen Schlange zu stehen, bei jeder Anfrage und jedem Gesuch wieder neu.

Weil die weissrussische Landschaft weitgehend flach ist, bedeckt mit unzähligen Seen und Wäldern, mit Strassen, die sich am Horizont verlieren, freuen wir uns hier an den Bergen. Wenn wir unsern Schweizer Freunden von unseren Wanderungen erzählen, geraten sie ins Staunen. Wir kennen nämlich nicht nur Mönch und Eiger, sondern auch den Bachtel und das Hörnli und sind daran, weitere romantische Gegenden zu entdecken. Und noch andere schweizerische Eigenarten, die uns sympathisch berühren.

Katharine Hrykhanava und Dmitri Kharitonenko