Was aus ihnen geworden ist

Folgende Porträts erschienen
im Limmattaler Tagblatt:
Corinne Möri

Am andern Ende des Globus Arbeit gefunden

Dietikon Corinne Möri hat ein knappes Jahr in Neuseeland gearbeit

Ausziehen und die Welt kennen lernen – wer möchte das nicht. Corinne Möri hat den Schritt gewagt und zog nach Neuseeland. Wieder zurückgekehrt, sieht sie die Experimentier- und Lernzeit in einem positiven Licht.

Helen Busslinger-Simmen
Den „Neuseeland-Virus“ hätten sie und ihr Lebenspartner schon seit langem intus gehabt, bemerkt die 32jährige Corinne Möri lachend. Da sie beide über ausgezeichnete Englischkenntnisse verfügen, wagten sie vor zwei Jahren den grossen Schritt und zogen aus, wie richtige Emigranten. „Ferien haben wir schon mehrmals in Neuseeland verbracht, aber jetzt wollten wir es wissen: Nicht als Touristen das Land erleben, sondern als Berufstätige. Wir liessen uns dort nieder und fanden Arbeit.“

Papierkrieg um Arbeitsbewilligung

Dank ihren guten Qualifikationen als Personalfachfrau fand Corinne Möri bald eine Stelle in Nelson im Süden Neuseelands, doch die Arbeitsbewilligung fehlte noch. „Es ist überall dasselbe traurige Lied: Ohne Stelle keine Arbeitsbewilligung, ohne Arbeitsbewilligung keine Stelle“, bemerkt sie. So stand sie denn, obwohl ihr der Arbeitsplatz in einer Apfel-Export-Firma zugesichert wurde, vor einem Emigrantenbüro Schlange.

Sie ist der Ansicht, man müsste dieses Gefühl des Ausgeliefertseins kennen gelernt haben. „Unsern Ausländern hier geht es genau so. Man kann es sich nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst erlebt hat.“ Ihr Lebenspartner konnte als Fotograf zwar nicht im angestammten Beruf arbeiten; doch damit hatte er gerechnet. Auch er fand Arbeit, die beiden zogen in eine Wohnung und hatten ihr Ziel erreicht.

Offenes Land – offene Menschen

„Kaum ein anderes Land bietet so viele verschiedene Landschaftsformen auf engem Raum. Das Meer, subtropische Buschlandschaft, Steppen, Regenwälder, Fjorde, Vulkanregionen und hochalpine Gegenden“, schwärmt Corinne Möri. So genoss Reisen über Land und Segeln auf dem Meer. Zudem sind nach ihrer Erfahrung die Menschen im südwestlichen Pazifik offen und herzlich: „Spontan wird man zu den überaus beliebten Barbecues eingeladen, man bekommt schnell Kontakt, wenn man sich nur ein wenig bemüht.“

Für Corinne Möri war es angenehm, in einer guten Firma zu arbeiten und als Ausländerin respektiert zu werden: „In Neuseeland interessiert man sich für andere Länder.“ Gerade weil das Land so abgelegen ist, sind internationale Kontakte willkommen. Zudem hat es Nischen-Arbeitsplätze, der Arbeitsmarkt ist nicht ausgereizt: Hier kann jeder arbeiten, wenn er will.

Schweiz neu sehen gelernt

Corinne Möri hatte nicht mit Heimweh gerechnet und wurde doch davon befallen: „Meine Freunde und meine Familie fehlten mir, oft kam mir in den Sinn, dass der Flug heimwärts 24 Stunden dauert.“ Nach und nach merkte sie, dass der Alltag im Wunschland sehr hart sein kann. Die Lebensmittel sind zwar billig, aber die Löhne niedrig, mit einem einzigen Lohn kann ein Paar nicht leben.

Zu denken gab Corinne Möri die fehlende soziale Absicherung. „In der Schweiz ist die obligatorische Krankenkasse zwar teuer, aber damit werden alle ärztlich versorgt.“ Überhaupt seien die Einwohner in der Schweiz allgemein besser geschützt. Zum Beispiel durch Lebensmittelverordnungen: In Neuseeland sind die Vorschriften nicht streng, man weiss nicht recht, was man kauft, und man braucht viel Zeit für das Einholen von Informationen. Auch bei Rechtsfällen kann man bös in eine Falle geraten, wie Corinne Möri von Bekannten erfahren hat.

Für eine offene Schweiz

Von Neuseeland aus hat Corinne Möri versucht, in der Schweiz Arbeit zu finden und stiess bald auf eine Stelle, wo ihre Englischkenntnisse gefragt sind. Jetzt ist sie mit ihrem Partner wieder hier gelandet, und sie sieht nun vieles mit anderen Augen als vorher: „Die Ausländerproblematik, die mich schon vorher beschäftigt hat, scheint mir nicht unlösbar.“ Sie findet, man sollte nicht soviel Angst entwickeln gegen eine Durchmischung der Bevölkerung. Eines hat sie am eigenen Leib erfahren: Integration hilft weiter. Für Integration könne es gar nicht genug Bemühungen geben, meint sie.

„Nun ja, die Leute hier sind schon etwas ernster und weniger locker als die Menschen dort am andern Ende der Welt, aber das kann sich ja ändern“, sagt Corinne Möri, die mit einem Occasionsvelo zum Bahnhof fährt und mit dem Zug zum Arbeitsort, die Möglichkeiten des öffentlichen Verkehrs kann sie nicht genug rühmen. Dazu hat sie erfahren, dass sie ein Leben ohne Luxus führen kann und sich dabei wohl fühlt. Noch weiss sie nicht genau, wie es weiter geht; mit dieser Ungewissheit versteht sie jetzt zu leben.