Exil Urnerinnen und Urner

Folgende Porträts erschienen
in der Neuen Urner Zeitung
bzw. im Urner Wochenblatt (*)
Felice Zenoni

Leben zeigen, wie es ist

Der Altdorfer Regisseur und Redaktor Felice Zenoni zeigt in Filmen ungeschminkt, was hinter Kulissen verborgen ist.

Helen Busslinger-Simmen
Er hat mit Charlie Chaplins Tochter Geraldine Kontakt, drang bei Recherchen zur Schweizer Garde in Rom bis zum Vorzimmer des Papstes vor und schaute sich im heruntergekommenen Haus des verstorbenen Clowns Grock um. Felice Zenoni, der am liebsten Zug fährt, der es versteht, Moritz Leuenberger zu imitieren, ist heute als Regisseur und Redaktor in seinem Element. Er arbeitet in der Produktionsfirma Mesch & Ugge AG, die sich auf hoch entwickelte Dokumentarfilme spezialisiert hat.

Zickzack-Weg eins Urners

Als ehemaliger Tellenbub bleibt Felice Zenoni eng mit seiner Heimat verbunden: „Vieles, das ich in meiner Jugendzeit erlebt habe, war ein Anfang“, sagt er. In der Familie wurde Theater gespielt, Affinität zum Kulturgeschehen lag in der Luft. Felice Zenonis Weg bis zum Redaktor und Regisseur führte über Umwege. Schon früh hatte er ungewöhnliche Ideen und nahm neben der kaufmännischen Lehre Sprechunterricht. Dieses Knowhow kommt ihm heute zugute, er ist bei FS DRS ein gefragter Sprecher. Nebenbei eignete er sich vier Sprachen an, Englisch, Italienisch, Französisch und Spanisch.

Als Mitarbeiter beim Lokalradio Sunshine machte er erste Erfahrungen in der audiovisuellen Welt und deckte alles ab, vom Ratsbericht bis zu Kulturevents. An der Journalistenschule MAZ konnte er das lernen, was ihn am meisten interessiert: Journalismus. In der Kaderschmiede des FS DRS lernte er zusammen mit Patrick Rohr und anderen, was von Fernseh-Journalisten verlangt wird. Er arbeitete als TV-Ansager und moderierte das Tagesfernsehen (TAF), bevor er zum „Eigentlichen“ fand, zu Dokumentarfilmen.

Mit Clowns auf du und du

Felice Zenoni schuf den Film „Charlie Chaplin – die Schweizer Jahre“, ein Film mit besonderem Charme. „Bei den Vorarbeiten zum Chaplin Film bin ich in den Archiven versunken“, sagt er und freut sich, dass es ihm gelang, zur Chaplin-Familie ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Mit der Zähigkeit eines Urners knüpfte er die nötigen Kontakte und erhielt anfangs Jahr in New York am Filmfestival die Bronzemedaille. Vorher schon hatte es Zenoni mit dem Chaplin-Film bis zum Final „Rose d’Or“ in Montreux geschafft.

„Beim Film ’Grock – König der Clowns’ war alles noch schwieriger als beim Chaplinfilm“, sagt der Urner Filmschaffende. Doch die Recherchen waren unheimlich spannend. Grock war ja ein hervorragender Musiker, der unzählige Melodien und Lieder komponiert hat. Zenoni freut sich, dass im Grock-Film eine russische Pianistin 22 Melodien vom Komponisten Grock interpretiert hat. Auch dieser Film schaffte es im letzten Frühling ans Final „Rose d’Or“.

Clown-Filmer mit Schalk im Nacken

Neben grossen Aufträgen stellt Felice Zenoni Filme mit versteckter Kamera her; dabei kann er seinen Gespür für Ironie ausleben. Etwa dann, als er in Schattdorf Leuten mit dem Nachnamen Gisler vorschlagen liess, sich doch Özgür zu nennen. Als guter Beobachter konnte er schon als Bub Stimmen imitieren, er hört den besonderen Duktus und Klang einer Stimme und kann damit jederzeit Leute zum Lachen bringen.

Zenonis Affinität zur Musik kommt beim nächsten grossen Werk über Paul Burkard zum Tragen, da wird – wenn alles gut geht - ein eigens zusammengestelltes Orchester mitspielen. „Meine Arbeit besteht aber nicht nur im Empfang von Preisen und Freude über Ausstrahlungen. Schattenseiten sind die nervenaufreibende Suche nach Sponsoren und Recherchen, die ein hohes Mass an Geduld voraussetzen“, betont Felice Zenoni.