Rolf Inderbitzi

Exil Urnerinnen und Urner

Folgende Porträts erschienen
in der Neuen Urner Zeitung
bzw. im Urner Wochenblatt (*)
Rolf Inderbitzi

Ganzheitliches Engagement für Patienten

Der Altdorfer Rolf Inderbitzi hat als Professor, Chirurg und Buchautor international einen guten Namen. Mit 36 Jahren wurde er Chefarzt des Spitals Limmattal, wo er 7 Jahre wirkte. Heute lehrt er an der Universität Fribourg und ist als Chirurg im Lungenzentrum Hirslanden in Zürich tätig.

Helen Busslinger-Simmen
Wenn Rolf Inderbitzi als Chirurg im Operationssaal arbeitet und dabei dem Leben auf einer ganz konkreten, unmittelbaren Ebene begegnet, ist das sein Berufsalltag. Und doch ist es eine besondere Situation: Der Arzt ist hier seinen Patienten so nahe, wie es nur in intimen Beziehungen möglich ist. Die Patienten begeben sich buchstäblich in die Hände des Chirurgen; mit seinen Händen spürt Inderbitzi jene, die er heilen möchte. Das ist anspruchsvoll. „Beim Operieren sind alle Beteiligten im Sinn des Wortes ‚mit Leib und Seele’ dabei. Der Operationssaal ist ein Ort der Ruhe, man ist in einem geschützten Raum“, bemerkt er.

Begabung genützt

Schon als Medizinstudent haben Rolf Inderbitzi sein naturwissenschaftliches Interesse, sein Wissensdrang und seine Entdeckungsfreude vorwärts getrieben. Später als Oberarzt am Inselspital betrieb er aktiv chirurgische Forschung. „Das Forschen hört für einen guten Arzt nie auf, es führt weiter und weiter“, bemerkt er. Rolf Inderbitzi hat mehrere Fachbücher verfasst, welche unter andrem 1994 von der Schweiz. Gesellschaft für Chirgie und 1996 von der Schweiz. Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefässchirurgie mit dem Jahrespreis ausgezeichnet worden waren.

Seine innere Ruhe, sein Geschick und seine Sensibilität ermöglichen es ihm, im chirurgischen Alltag komplexe krebschirurgische Eingriffe vorzunehmen. Er sagt: „Wer Operieren mit Nervosität, Hektik oder gar Angst verbindet, hat falsche Vorstellungen. Im Gegenteil, Operieren bedingt konzentriertes, gelassenes Arbeiten. Man befindet sich sozusagen fernab vom Weltgeschehen auf einer Insel – der Patient, die Ärzte und Fachleute.“ Weil die Phasen eines Eingriffs einander ruhig und rhythmisch folgen, hat Operieren nach Inderbitzis Erfahrungen durchaus etwas Meditatives.

Nicht ohne Patienten

Für Rolf Inderbitzi ist die Vornahme einer eine Operation nur in einem Vertrauensverhältnis mit dem Patienten möglich: „Es ist eine intensive Zusammenarbeit, der Chirurg benötigt die innere Mithilfe seiner Patienten.“ Er hat die Erfahrung gemacht, dass er ohne Mitwirken seiner Patienten nicht so viel ausrichten kann, wie er möchte: „Wenn bislang etwas Unvorhergesehenes geschah, das die Heilung erschwerte, stellte sich sehr oft heraus, dass der Patient unter unausgesprochenen, ausgeprägten innern Widerständen gegenüber seiner Krankheit oder dem Therapieweg litt.“

Für Einsicht und Verständnis einer Krankheit braucht es nach Inderbitzis Erfahrung nicht primär sogenannte wissenschaftliche Voraussetzungen, weder vom Patienten noch vom Arzt. Denn: „Unser Krankheitserleben folgt uralten menschlichen Erlebnismustern. Und doch geht es jedes Mal um einzigartige und individuelle Lebensäusserungen.“ Solche Einsichten ermöglichen es dem Chirurgen, sich auf seine Patienten einzulassen.

Unerlässlich für ihn sind warmherzige, aber offene, klar geführte Gespräche vor und nach der Operation. Er sagt dazu: „Meine Patienten sollen wissen, was geschieht, ich erkläre ihnen die Vorgänge, im Gesprächsverlauf gehen wir sozusagen eine gegenseitige Vereinbarung ein. Meistens staune ich, wie gut meine Patienten die Wahrheit akzeptieren und wie mutig sie sind.“

Interdisziplinäre Interessen

Inderbitzi hat nicht nur auf naturwissenschaftlichem Gebiet mit Erfolg geforscht. Er interessiert sich ebenso stark für Geisteswissenschaften. Denn für ihn sind die derzeitigen naturwissenschaftlichen Erklärungen nicht der Weisheit letzter Schluss. Weil ihn das menschliche Wesen in seiner Ganzheit interessiert, studiert er seit 12 Jahren Tiefenpsychologie. Er sagt: „Technisches Wissen und Können ist das eine. Ich befasse mich mit grosser Dankbarkeit auch mit dem anderen, mit dem Menschen in seiner Ganzheit, mit Leib und Seele. Mich interessiert der tiefenpsychologische Kontext.“

So wird Rolf Inderbitzi nicht nur mit dem Medizinstudium, sondern auch mit dem Studium der Tiefenpsychologie nie fertig sein. Ein weiter Blick und vertieftes „Nach-Denken“ helfen ihm, Patienten und Krankheiten besser zu verstehen. Seit 1996 ist er im Besitz der Lehrerlaubnis der Universität Bern, seit 2993 hält er auch Vorlesungen an der Universität Fribourg.

Wurzeln in Altdorf

Rolf Inderbitzi ist mit der Altdorferin Christine Brücker verheiratet und hat einen 19jährigen Sohn und eine 16jährige Tochter. Er wohnt in Widen im Kanton Aargau. Seine Verbundenheit mit Altdorf zeigt sich in vielen Belangen. Etwa an jenem Tag, an dem er für seine Kollegen eine historische Führung durch Altdorf organisierte. Die Urner Berge haben ihn geprägt, er ist ein grosser Natur- und Tierfreund, als Imker sorgt er für seine Bienenvölker. Neuerdings ist er wieder in Altdorf anzutreffen, wenn er mit der Projektgruppe zusammensitzt, welche sich mit der Zukunft des Frauenkloster St. Karl beschäftigt.