Exil Urnerinnen und Urner

Folgende Porträts erschienen
in der Neuen Urner Zeitung
bzw. im Urner Wochenblatt (*)
Sabine Dahinden

Eine Urnerin arbeitet an der Fernsehfront

Sabine Dahinden aus Altdorf ist als Moderatorin der Fernsehsendung „Schweiz aktuell“ bekannt geworden. Es heisst, sie mache ihre Sache ausgezeichnet. Die UZ fand heraus, was dahinert steckt.

Helen Busslinger-Simmen
Gewandt bewegt sich Sabine Dahinden bei „Schweiz aktuell“ vor der Videokamera, gestaltet Berichte, fasst zusammen, befragt Fachleute, die über ein aktuelles Thema Auskunft geben. Sie ist ganz bei der Sache, ganz sich selbst, freundlich und offen, ohne sich anzubiedern. Die Sendung „Schweiz aktuell“ wirkt zupackend. Wenige ahnen, welches Mass an Arbeit dahinter steckt.

Möglichst schnell viel wissen

„Die Fernseharbeit wird immer schneller und hektischer“, stellt die junge Moderatorin fest, „früher konnten Fernsehmitarbeiter in der Information langsamer und gründlicher arbeiten, heute muss in der Hälfte der Zeit alles perfekt und ausgewogen sein.“ Im Klartext heisst das, dass sie und ihre Teamkollegen am Nachmittag irgendwohin fahren, Aufnahmen machen und sich um Interviews und Bilder kümmern. Am nächsten Tag wird wieder ein neues Thema bearbeitet. Bei „Schweiz aktuell“ sind rasende Reporterinnen und Reporter an der Arbeit.

„Nur schon die Vorbereitung weniger Sendezeitminuten nimmt viel Zeit in Anspruch. Ich investiere Energie in Dinge, die auf Anhieb kein Mensch sieht“, sagt die junge Fernsehschaffende, die immer auf der Suche ist nach aktuellen Geschichten, nach Interview-Partnern, nach Bildern und Szenen. „Öffentliche Auftritte kosten Nerven“, stellt Sabine Dahinden fest, „vor allem, wenn man locker und souverän wirken will.“ Natürlich hat sie bereits Routine, trotzdem ist volle Konzentration gefragt. Jeden Tag neu.

Ohne Scheuklappen

Als Fernsehmoderatorin muss Sabine Dahinden jedes Thema anpacken können. Dies ermöglicht ständig neue Ausblicke und neue Horizonte. „Ich freue mich, wenn wir über spezielle, eigenständige, einfallsreiche Menschen berichten können, wenn ich irgendwo bin, wo attraktive Bilder möglich sind“, bemerkt Sabine Dahinden und fügt bei, sie sei dann glücklich, wenn die Interviewpartner offen sind und sich auf etwas einlassen.

So gewandt sich Sabine Dahinen in unterschiedlichsten Situationen zu bewegen weiss, so vielfältig ist ihr privater Bereich. Heute wohnt sie in der quirligen Züricher Langstrasse in einer Wohngemeinschaft, wo sie sich rundum wohl fühlt. Zürich ist ihr ans Herz gewachsen. Hier nimmt sie sich Zeit zum Lesen, geht ins Kino, gern spaziert sie allein auch durch andere Schweizer Städte. Aber auch durch Hongkong, Berlin oder London, wo sie voll Interesse alles aufsaugt, was sie sieht und hört.

Auftanken in einem guten Umfeld

Wer einen so anspruchsvollen Beruf hat, braucht ein Umfeld zum Rückzug, zum Auftanken und Kraft schöpfen. Mit ihrem Partner in Chur kann Sabine Dahinden in den Bergen herumstreifen, ihr Ex-Mann, ein erfahrener Radiomann, unterstützt sie, wo er kann, ihre Eltern und Geschwister in einem Haus voller Musik beim Kapuzinerweg bedeuten ihr viel. Obwohl sie den ganzen Tag mit Geschichten und Fakten beschäftigt ist, schätzt sie es, mit Freunden essen zu gehen und auch hier Geschichten zu erfahren. Sogar in der Freizeit kann sie zuhören.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Im Industriegebiet von Winterthur stehen zwei Autos vor einem Geschäft, jüngere Leute, Frauen und Männer, gehen hin und her, ohne Hetze. Alle scheinen zu wissen, was zu tun ist und bewegen sich leichtfüssig wie zu unsichtbaren Regieanweisungen. Nur eine Satellitenschüssel auf einem Wagen gibt den Hinweis, dass hier eine Fernsehsendung entsteht.

Hier ist Sabine Dahinden an der Arbeit. Die Natürlichkeit, mit der sie ihrer Arbeit nachgeht, ist beeindruckend. Sie hat zu tun, spricht mit dem Geschäftsführer, mit dem Kameramann, mit der Regisseurin, hat das Natel in der Hand, die Anweisungen der Produzentin im Ohr. Diesmal geht sie (nach einem schlimmen Gasunglück) der Frage nach, wie man mit Gasflaschen umgehen muss.

Die drei Minuten, die zum Thema gesendet werden, müssen kurz geprobt werden. Man bespricht, wer wo steht, welcher Hintergrund sich eignet, man verhandelt miteinander, sucht die optimale Bildeinstellung. Das Thema „Umgang mit Gasflaschen“ wurde erst am Mittag bestimmt. Sabine Dahinden hat recherchiert und Fragen notiert, am späteren Nachmittag fuhr das Team los. Nach Winterthur wars nicht weit, oft fährt man bis ins Bündnerland oder in die Ostschweiz.

So läuft es an jedem Arbeitstag. Sabine Dahinden beschäftigt sich mit immer andern Themen, von einer Giraffengeburt bis zum Streik von Gewerkschaften. Sie sagt: „Es ist spannend, man muss schnell sein und ganz präsent. Es ist eine Faszination.“ Für jemand, der neugierig darauf ist, wie das Leben so spielt, der auf Leute zugehen und im Team arbeiten kann, ist diese Arbeit wohl ein Lebenselixier.