Wenn Tiere reden

Spannendes aus dem Limmattal

Folgende Porträts erschienen
im Limmattaler Tagblatt:
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Wenn Tiere reden

Dietikon Das Tierpflege-Team im Chrüzacher gibt Auskunft über die Sprache der Tiere

Eine Legende sagt, dass in der Weihnachtsnacht Tiere reden können. Aber auch sonst haben sie ungezählte Möglichkeiten, sich auszudrücken. Margrit Barbei, Verena Kammermann und Markus Schmid erzählen von ihren Erlebnissen.

Helen Busslinger-Simmen
„Unsere Tier sagen deutlich, wie es ihnen geht und was sie brauchen.“ So lautet die einstimmige Meinung des Tierpflegeteams in der Freizeitanlage Chrüzacher. Denn sie erfahren jeden Tag, dass die Ausdrucksweise der hier lebenden Tiere vielfältig und vielschichtig ist. Doch verstanden wird gemäss dem Chrüzacher-Team die Sprache der Tiere nur von Menschen, die sie gut kennen und sich mit ihnen befassen. „Natürlich kennen wir die Eigenarten unserer Tiere – das gehört zu unserem Pflichten. Und es ist aussergewöhnlich spannend“, berichte Verena Kammermann. Markus Schmid: „In unserer hektischen Zeit bemerken wir oft die Signale der Tiere nicht. Sie sind aber eindeutig.“

Mit den Augen der Vögel

Wie Verena Kammermann beobachtet, hat das Federvieh gute Augen und sieht aussergewöhnlich scharf: „Das Sehvermögen der Vögel und Hühner ist grandios, sie können ja ihre Linsen in den Augen blitzschnell scharf stellen.“ Wenn die Tierpflegerin, welche die Hühner täglich füttert, an ihnen vorbei geht, wird sie sofort erkannt und mit Gegacker empfangen.

Margrit Barbei wurde von einem Chrüzacher Nymphensittich als Freundin auserwählt: „Ich begann einmal aus Spass, seinen ganz besonderen Vogellaut nachzumachen, dann wurde der Sittich immer zutraulicher.“ Heute setzt sich ihr Vogelfreund auf ihre Hand, zwitschert, erzählt etwas in der Vogelsprache, die beiden reden miteinander. Ein anderer Nymphensittich, der für einen Probe-Aufenthalt in Geroldswil war, kehrte umgehend wieder in den Chrüzacher zurück. Kein Mensch weiss, wie er den Weg von Geroldswil nach Dietikon gefunden hat.

Chrüzacher Pferdeflüsterer

„Untereinander können sich die Pferde bestens verständigen, durch ihre Körperbewegungen und ihre Mimik“, so Margrit Barbei. „An uns ist es, die ‚Pferdesprache’ zu lernen und sie zum Vorteil der Tiere und Menschen zu nutzen.“ Die Tierpfleger betonen, dass die Pferde sie als „Chef“ akzeptieren. Markus Schmid: „Unsere Pferde anerkennen uns als ranghöher, sie vertrauen uns, wir bekommen viel Zuneigung.“ Pferde könnten die kleinsten Veränderungen in der Mimik von uns Menschen feststellen, betont Markus Schmid. Man dürfe nicht vergessen, dass abrupte Bewegungen eines Pferdes nicht Aggressionen, sondern Fluchtbewegungen sind. Markus Schmid weiss aus Erfahrung: „Es gibt unglaublich viele Missverständnisse in der Kommunikation zwischen Mensch und Tier. Es ist an uns, etwas dazu zu lernen und die Sprache der Tiere richtig zu interpretieren.“ Damit könnten viele Unfälle vermieden werden.

Vernünftiges Verhältnis zum Tier

„Tiere darf man nicht vermenschlichen“, so lautet die Philosophie im Chrüzacher. Verena Kammermann: „Man tut ihnen kein Gefallen, wenn man sie nicht mehr als Tiere behandelt.“ Nach Ansicht des Tierpflegeteams eignen sich Tiere schlecht als Geschenk. Margrit Barbei: „Es ist unser Anliegen, dass man sich im Privathaushalt gut überlegt, ob man wirklich ein Tier halten will.“ Wer nicht alle Konsequenzen tragen und viel Zeit für ein Tier einsetzen wolle, sollte kein Tier halten. In der Freizeitanlage können auch keine Tiere abgegeben werden, obwohl das immer wieder versucht wird.