Begegnung mit dem „anderen“ Amerika

Spannendes aus dem Limmattal

Folgende Porträts erschienen
im Limmattaler Tagblatt:
Amerikanische Folksongs

Begegnung mit dem „anderen“ Amerika

Dietikon Folksängerin Kate McDonell im Stadtkeller

Dank ihren aussergewöhnlichen Fähigkeiten hat Kate McDonell bei Folk-Fans hohes Ansehen. Sie ist dreifach gut: Mit eigenen lyrische Texten, mit ihrer grossen Stimme, mit ihrem gekonnten Gitarrenspiel.

Helen Busslinger-Simmen
Nicht das Amerika der Superlative, der Megastars, der überdimensionalen Städte und ambitionierten Menschen und Militärmächte waren die Themen an diesem Folk-Abend. Kate McDonell präsentierte in ihren lyrischen Liedern etwas ganz anderes. Ihre Songs beschreiben Gefühle, gelungene und misslungene Freundschaften, poetische Momente im Alltag. „An other true story“, sagte augenzwinkernd bei ihren Einführungen.

Mit Joan Baez aufgewachsen

Im Stadtkeller waren viele, die mit Joan Baez aufgewachsen sind und ihre Lieder immer noch gern hören. So fand es natürlich Anklang, dass Kate McDonell den Spuren von Joan Baez folgt. Selbstverständlich waren in ihrem Programm auch politische Songs, etwa der Song „Merci“, der bei der Präsidentenwahl 2004 Aufmerksamkeit erhielt und eine besinnliche Stimmung auslöste.

Ja, Joan Baez sei ihr Vorbild, bekannte Kate McDonnell in der Pause. Als Kind habe sie ein Album Joan Baez gehört und ohne Anleitung das Gitarrenspiel gelernt. Tatsächlich spielt niemand auf die Art, wie sie es macht. Es ist ihr Markenzeichen: Sie spielt mit ihrer stärkeren rechten Hand auf dem Griffbrett, mit der linken Hand schlägt sie die Seiten.

Eingetaucht in die amerikanische Folkszene

Die energiegeladene Songwriterin gehört zu der neu aufgekommenen Szene der Singer und Songwriter, die in Amerika beliebt geworden ist. Im Stadtkeller erlebte man es: Man muss nicht in die grosse Stadt fahren, um eine grosse Stimme zu hören. Kate McDonnells Stimme war Balsam, Luxus pur, samtig weich und rauchig-kraftvoll.

McDonnells Kompositionen haben Country-Einschlag, etwas Blues, und sind hundertprozentig authentisch. Kein Wunder, hat die Folksängerin verschiedne Preise erhalten und tourt durch die halbe Welt. Dass die Erwartungen der Gäste erfüllt wurden, bewies die unkomplizierte, lockere Stimmung im Stadtkeller. Ohne Umschweife sang man am Schluss das amerikanische Volkslied „I only say that you are mine“ mit.

Eine kleine, aber romantische Liebesgeschichte am Rande

Einer der anwesenden Folk-Fans war völlig hin und weg, wie unschwer zu erkennen war. In der Pause wich er nicht von der Seite der Sängerin, übersetzte für die nicht so sprachgewandten Neugierigen und strahlte übers ganze Gesicht. Im Gespräch bekannte er, er sei Amerikaner, lebe aber seit langem in der Schweiz. Kate McDonell sei seine erste Freundin gewesen, damals an der Universität, und jetzt sehe er sie nach zwanzig Jahren zum ersten Mal wieder.

Der Amerikaner, nennen wir ihn Bill, bekannte: „Ich sah Kate McDonell bei ihren ersten Schritten auf der Bühne, sie war schon damals einzigartig, sie hat Musik im Blut.“ Bill hatte dank dem Internet seine ehemalige Freundin wieder gefunden, durchforschte ihren Tourenplan und fuhr an diesem unwirtlichen Abend von Luzern in den Dietiker Stadtkeller. Und nachts wieder zurück. Einer der wunderbaren „true stories“ der Folksängerin ereignete sich also an Ort und Stelle -in Dietikon.