Chris von Rohr

Uri von aussen gesehen

Folgende Porträts sind in der
Neuen Urner Zeitung erschienen:

Chris von Rohr

Von Rohr: «Wir sind alle irgendwie Bergler oder Bauern»

Kanton Uri, die Frauen, die Berge und die Seen. Chris von Rohr schätzt vieles am Kanton Uri. Der Unterschied zur Stadt sei nicht gross.

Helen Busslinger-Simmen
Rockstar, Produzent, Songwriter, Kolumnist und Bestsellerautor Chris von Rohr hat viele Talente. Seit Neustem ist er auch Lifecoach. Ideale Voraussetzungen, um für einmal den Kanton Uri zu coachen.

Chris von Rohr, was gefällt Ihnen am Kanton Uri?

Von Rohr: Seine Frauen. Sie sind wunderbar. Meine Freundin ist ja auch eine halbe Urnerin. Dazu kommen die Natur, die Berge und die Seen. Sie sind schlicht umwerfend. Mich hat schon immer das Urner Wappen fasziniert. Das ging sogar mal so weit, dass ich es auf einem Krokus-CD-Umschlag wollte. Dieses gelbschwarze Motiv mit dem Stier hat es in sich. Diverse Leute waren damals dagegen, dabei wäre der Titel treffend gewesen: «Take the bull by the horns!», also pack den Stier bei den Hörnern. Um das geht es doch auch in unserem Land: Nicht immer nur schönreden und verschleiern – Klartext sprechen und anpacken!

Warum werden Bergler manchmal von Städtern nicht ganz ernst genommen?

Von Rohr: Aus dem gleichen Grund, weshalb Städter von Berglern belächelt werden: ein meist falsches Vorurteil. Aber das ist kleinkariertes Denken. Jeder Mensch, egal wo er aufwächst, hat wertvolle Erfahrungen und Tipps, wie man durchs Leben kommt – man könnte es auch Lebensweisheit nennen. Soll mir doch keiner sagen, ein Zürcher wisse mehr über das Leben, seine Hindernisse und Schätze als ein Urner.

Sie sind Flachländer, können Sie etwas mit Berglern und Bergen anfangen?

Von Rohr: Sehr viel! Mir hat das Knorrige und Eigensinnige, aber oft sehr Inte­ressante, vielleicht etwas Zurückgezogene, im positiven Sinne Einfache schon immer sehr zugesagt. Dazu kommt: Mit zunehmendem Alter sucht man auch die Stille und die Natur. Beides gibt es im Urnerland zuhauf – und erst noch freundlich, erdige Leute dazu. Auch in Solothurn, wo ich lebe, bin ich eigentlich von Bergen umzingelt. Das ist doch schweizweit so. Wer mal in wirklichen Welt-Grossstädten wie New York, London oder Tokio gewesen ist, der merkt das. Wir sind doch alle irgendwie Bergler oder Bauern – und das ist schön.

In Ihrem Buch «Sternenstaub» gestalten Sie einen Gegenentwurf zur Luxusgesellschaft. Was treibt Sie dazu an?

Von Rohr: Meine Liebe zum Schreiben, genauer Beleuchten und zum Versuchen, dahinterzusehen, was in diesem Land passiert und was es mit den Menschen macht. «Sternenstaub» ist eine Metapher unseres Lebens: Wir leuchten zuweilen wie Sterne am Himmel, um dann zu verglühen und zu Staub zu werden. Fast jeden Tag frage ich mich: War es das schon? Was ist der Sinn dieses Lebens? Wofür lohnt es sich zu leben und zu sterben? Meine Antwort ist immer dieselbe: für die Liebe, die Kinder, einen Traum und die Musik. Es hat mich sehr glücklich gemacht, dass dieses Buch ein Bestseller geworden ist, da auch viele leise Töne und praktische Anstösse drin sind, die diametral zum üblichen Mainstream laufen.

In Ihren Kolumnen findet man eine grosse Sensibilität für Kinder. Was wollen Sie Urner Eltern sagen?

Von Rohr: Wenn ich mir das erlauben darf: Gebt euren ungefilterten Frust und Hass nicht an eure Kinder weiter. Dieses Thema geht aber alle Schweizer an. Wir alle müssen die Sensibilität der Kinder respektieren und von ihnen lernen – und nicht umgekehrt. Unsere eigene Kindheit zu beleuchten ist immer gut. Was wir von Kindern lernen können, ist das volle Im-Moment-Sein, die Hingabe, mit wenig viel zu machen und die Klarheit des Ausdrucks ohne grosses Taktieren und Hintenrum. Diese Qualitäten sollten wir ihnen möglichst nicht austreiben. Das grosse Motto in der Erziehung ist: Beispiel und Liebe.

Sie selbst sind Gründer der Rockgruppe Krokus, erfolgreichster Schweizer Rockmusiker, Produzent und Songwriter, Vater, Bestsellerautor, meistge­lesener Kolumnist der «Schweizer Illustrierten». Habe ich etwas ausgelassen?

Von Rohr: Ja, die etwas andere TV-Sendung «Tonspur» auf 3sat, ORF und SF. In dieser Sendung muss ein Team von drei Profilern, ich bin einer davon, herausfinden, wer hinter einer Liste mit neuen Songs steckt. Ich liebe Songs, sie sind die Lichter am Weg meines Lebens. Ihre Herkunft war immer spannend für mich. Ich mache auch zunehmend mehr Lifecoaching: Menschen mit ihren Ambitionen, Träumen und Problemen kommen zu mir zum privaten Consulting. Meist kann ich helfen, schliesslich bin ich ja mittlerweile 60. Da hat man schon was Nahrhaftes weiterzugeben.

Sie gelten als bodenständig. Was müsste Ihnen ein Älpler auftischen?

Von Rohr: Alpkäse, Trockenfleisch, Schwarzes und eine gute Geschichte. That’s it.