«Der Föhn kann einem fehlen»

Uri von aussen gesehen

Folgende Porträts sind in der
Neuen Urner Zeitung erschienen:

Hanspeter Müller-Drossart

«Der Föhn kann einem fehlen»

Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart sagt, was ihn mit dem Kanton Uri verbindet - und wie er zu Urner Kulturprojekten steht.

Helen Busslinger-Simmen

In Uri wird viel Theater gespielt. Ist das ein Segen für die Dorfkultur?

Hanspeter Müller-Drossaart: Ganz sicher. Es herrscht ein Globalisierungswahn und kulturelle Gleichmacherei. Etwa Starbucks-Kaffee in Zürich und in Edinburg - dasselbe Gebräu. Warum soll ich noch nach Edinburg fahren? In dieser Beziehung haben örtliche Live-Ereignisse wie Konzerte und Theateraufführungen identitätsstiftende Bedeutung.

Als Schauspieler wissen Sie, was das Reinschlüpfen in andere Rollen in einem selbst bewirkt.

Müller-Drossaart: Das Rollenspiel ermöglicht schon dem kleinen Kind, die eigenen Fantasien zu beleben und sich in der Begegnung zu erfahren. Später erlaubt uns diese früh erworbene Empathie, Verständnis für unsere Partner zu finden.

In Uri gibt es Theater-Vorbilder wie Heinrich Danioth mit dem Urner Krippenspiel oder die Theaterstücke von Ludwig Lussmann. Eine Inspiration?

Müller-Drossaart: Unbedingt ja! Überlieferte, kontinuierlich gelebte rituelle Kultur ermöglicht es, ein geschichtliches Bewusstsein zu entwickeln. Die aktuell gelebten Kunstformen werden zur Vergangenheit in Beziehung gesetzt.

Bald wird in Altdorf das Stück «My fair Lady» aufgeführt. Was halten Sie davon?

Müller-Drossaart: Ich halte den Import dieser wunderbaren englischen Pferderasen-Soap ins Reussdelta für eine gewitzte Idee. Die Urner haben eben Zeit und Lust, sich interessante Dinge auszudenken.

Sie sind öfter in der Innerschweiz. Furore machte ihr Solo-Drama zur Figur Tell bei den Tellspielen Altdorf 2008. Was bleibt in Erinnerung?

Müller-Drossaart: Die stoische Geduld und das «Gottvertrüwä» meiner Urner Partner, dass dieses Projekt schon etwas werden wird. Hinzu kommen natürlich die wunderbaren Begegnungen mit dem Urner Publikum.

Was verbindet Sie sonst mit Uri?

Müller-Drossaart: «Dr Fehn»! Wenn man ihn lange nicht erlebt hat, fehlt er einem! Und dann auch der Reichtum des sprachlichen Ausdrucks, oft aus dem lakonisch Kargen heraus, viel sagend im Schweigen.

Sie sind einer der bekanntesten Schweizer Kabarettisten, Schauspieler, Hörbuchgestalter, Filmschaffenden.Was machen Sie am liebsten?

Müller-Drossaart: Als darstellerischer Schmetterling geniesse ich die Freiheit, mich nicht nur für das eine oder das andere entscheiden zu müssen. Bei jedem Genre-Wechsel kann ich Neues dazulernen.