«In Uri fand ich eine Art Lockerheit und Weltoffenheit»

Uri von aussen gesehen

Folgende Porträts sind in der
Neuen Urner Zeitung erschienen:

Filippo Leutenegger

«In Uri fand ich eine Art Lockerheit und Weltoffenheit»

Nationalrat Filippo Leutenegger ist nicht nur Urner Botschafter. Uri hat auch seine Jugendzeit geprägt.

Helen Busslinger-Simmen
Filippo Leutenegger hat sich einen Namen als Moderator der Fernsehsendung «Arena» gemacht. Der Zürcher FDP-Nationalrat kennt den Kanton Uri sehr gut, nicht zuletzt, weil er die Matura am ehemaligen Kollegium Karl Borromäus (Heute: Mittelschule Uri) absolviert hat. Er ist Mitglied des Urner Botschafternetzes und pflegt auch mit Urner Politikern intensive Kontakte.

Wie haben Sie Ihre Zeit am «Kollegi» Altdorf in Erinnerung?

Filippo Leutenegger: An diese Zeit erinnere ich mich sehr gern. Ich kam von der Mittelschule Disentis ins «Kollegi» Altdorf, und für mich war das eine andere Welt. Damals nahm ich die Bündner als eher verschlossen wahr, die Urner Bevölkerung erlebte ich hingegen als sehr offen und kontaktfreudig. Weil ich - statt im Internat zu leben - ein Zimmer in Schattdorf beziehen konnte, genoss ich die Kontakte nach aussen. Dazu kamen für mich als externer Schüler viele Naturerlebnisse in den Bergen und im Flüeler Seebecken. Ich trieb mich gern in der Umgebung von Altdorf herum. Unvergesslich sind aber auch die Badeerlebnisse im Urnersee und vor allem am Gruonbach. Faszinierend waren vor allem das erfrischend kühle Wasser, der kleine Sandstrand und der Ausblick auf See und Berge. Und nicht zuletzt fand ich in Uri wieder eine gewisse Italianità wieder.

Wie meinen Sie das?

Leutenegger: Da ich meine Kindheit als Auslandschweizer in Rom verbracht hatte, war ich geprägt vom südlichen Lebensstil. Etwas davon fand ich dann im Kanton Uri wieder: eine Art Lockerheit und Weltoffenheit - trotz enger Bergwelt. Ich spürte einfach, dass die Menschen im Durchgangskanton Uri mit vielen äusseren Einflüssen konfrontiert wurden. Wie übrigens noch heute!

Und wie haben Sie die Benediktiner-Patres erlebt, von denen Sie unterrichtet wurden?

Leutenegger: Für mich war die Atmosphäre keineswegs beengend. Die Patres waren durchaus weltoffen und vermittelten uns mit ihrem benediktinischen Grundsatz «Ora et labora» wertvolle Hilfen fürs Leben. Die benediktinische Erziehung prägt mich natürlich bis heute.

Welches sind heute Ihre Lieblingsorte im Kanton Uri?

Leutenegger: Der Urnerboden, die grösste und schönste Schweizer Kuhalp, ist für mich etwas ganz Besonderes. Mich beeindrucken bei jedem Besuch die unzähligen Kühe und Rinder und die Moorlandschaft, aber auch die Berge, welche die Talebene umranden. Auch das Maderanertal gehört zu meinen Lieblingsorten, und natürlich das idyllische Bauen am Urnersee mit seinem südlichen Klima.

Haben Sie aufgrund Ihrer «Urner Vergangenheit» auch speziell Kontakte zu Urner Politikerinnen und Politikern?

Leutenegger: Selbstverständlich. Vor allem unserer Fraktionschefin Gabi Huber bringe ich grösste Wertschätzung entgegen. Sie ist integer, verlässlich und eine profunde Kennerin des helvetischen Systems. Mit ihrer Führungserfahrung wäre sie eine ideale Bundesrätin, notabene die erste für den Kanton Uri. Der heutige Urner Regierungsrat Markus Züst war ein guter «Kollegi»-Kamerad, und auch andere Urner Politiker haben mich sehr beeindruckt, so etwa Franz Steinegger, Hansruedi Stadler oder Franz Muheim..

Welchen wichtigen Ratschlag möchten Sie der Urner Bevölkerung geben?

Leutenegger: Bewahrt eure Bergkultur und Eigenständigkeit!