Als „Zugezogene“ eine eigene Firma gegründet

In Uri heimisch geworden

Folgende Porträts sind in der
Neuen Urner Zeitung erschienen:
Elsbeth Arnold-Möckli

Als „Zugezogene“ eine eigene Firma gegründet

Elsbeth Arnold-Möckli ist zusammen mit den Urner Wollhandwerkerinnen auf Erfolgskurs

Dank initiativen Bäuerinnen wird im Kanton Uri die Schafwolle nicht verbrannt, sondern verarbeitet. Das Zentrum des Urner Wollhandwerkes ist der Kardereibetrieb in Amsteg.

Helen Busslinger-Simmen
Wenn es die Idee nicht gäbe, müsste man sie erfinden: Urner Bäuerinnen verwerten Schafwolle, die sonst nicht gebraucht würde, stellen originelle Naturprodukte her, verkaufen sie auf Wochenmärkten und erwirtschaften einen willkommenen Zustupf für die Familie. Und dies seit 19 Jahren. Man weiss, dass Bauernfamilien auf einen Nebenerwerb angewiesen sind. Indem die Urner Wollhandwerkerinnen in der freien Zeit Schafwolle verarbeiten, leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag zur Erhaltung ihrer Landwirtschaftsbetriebe. Am Rohmaterial fehlt es nicht, werden doch im Kanton Uri rund 1600 Schafe gesömmert. Und Produkte aus Wolle sind neu im Trend.

Angriffig und clever

Es sind zehn Frauen, vorwiegend Bäuerinnen, die sich zusammen getan haben. Die Initiantin ist eingewandert: Elsbeth Arnold-Möckli lernte bei einem Caritas-Einsatz in Spiringen ihren Mann kennen, die beiden heirateten und haben drei inzwischen fast erwachsene Kinder. Nichts hielt die gebürtige Thurgauerin davon ab, auf dem Bio-Hof Fuss zu fassen.

Elsbeth Arnold-Möckli lernte, die steilen Hänge in Spiringen zu mögen, auch die Einsamkeit des Bergbauern-Hauses, sie akzeptiert die harten Winter mit Eis und Schnee. Die gelernte Arztgehilfin wusste schon früh, dass sie „schollenverbunden“ ist. Als sie entdeckte, dass Schafwolle fast nicht verwertet werden kann, auch im Kanton Uri nicht, suchte sie Abhilfe. Sie kam auf die Idee, Decke zu nähen und sie mit Schafwolle zu füllen.

Von der Wolle bis zum Fertigprodukt

Elsbeth Arnold-Möckli versteht es, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, sie hat ein Feeling für ihre Sache. Im Amsteg entdeckte sie ein leeres Feuerwehrgebäude, das ist das Zentrum des Urner Wollhandwerk-Teams. Hier wird die Schafwolle, die vorher gewaschen und in Ballen gepresst wurde, weiter verarbeitet und kommt in die Kardiermaschine.

Aus dem Vlies stellen die künstlerisch begabten Frauen vom Urner Wollhandwerk-Team Wollsachen aller Art her: Decken, Spiel- und Babysachen, Filzmatten, Jacken und Gilets. Sogar Teppiche, Taschen, Wandbilder und Modeschmuck entstehen unter den geschickten Händen der Wollhandwerk-Frauen. Berühmt sind die Hüte in jeder möglichen Fasson, für Frauen wie für Männer.

Im Sommer haben die Frauen kaum Zeit für ihr Handwerk. Aber im Herbst und Winter wird genäht, geschnitten, gefalzt und gefilzt, alles in eigener Regie. Jede der Frauen hat ihre Spezialität und entwickelt eigene raffinierte Methoden für ihr Kunsthandwerk. Die Vermarktung der Wollware ist kein Kinderspiel, Einkauf und Verkauf nehmen viel Zeit in Anspruch. Da ist eine gehörige Portion Knowhow nötig.

Gegenseitige Unterstützung

Am Wochenmarkt in Altdorf sind die Naturprodukte aus Schafwolle begehrt. „Inzwischen kennt man uns“, sagt Elsbeth Arnold-Möckli, die auch Kurse erteilt, zufrieden. Oft hat die Gruppe so viele Bestellungen aufs Mal, dass sie regelrecht in Stress gerät. Wichtig für alle Wollhandwerkerinnen ist der Zusammenhalt: Sie treffen sich an regelmässigen Geschäftssitzungen; dabei wird nicht nur viel gearbeitet und gelacht, es werden auch Sorgen und Nöte geteilt.

www.wollhandwerk.ch