Von Spiringen aus in den Cyberspace

In Uri heimisch geworden

Folgende Porträts sind in der
Neuen Urner Zeitung erschienen:
Tom Bösser

Von Spiringen aus in den Cyberspace

Prof. Dr. Tom Bösser forscht im Internet in internationaler Zusammenarbeit

Auch in Uri macht man den Quantensprung ins Kommunikations-Zeitalter. Für Tom Bösser in Spiringen ist das Internet d a s Arbeitsinstrument. Er kommuniziert mit der halben Welt. Auf höchstem Niveau.

Helen Busslinger-Simmen
Man stelle sich die Spiringer Bergwelt vor, mit den trotzigen Felswänden, mit Bächen, die ins Tal stürzen. Hier werden unsichtbare Netze europa- und weltweit geknüpft. Fast unbemerkt: Niemand sieht es dem zweistöckigen Haus an einem Hang ob der Spiringer Kirche an, dass drinnen Verbindungen in alle Welt hergestellt werden. Tom Bösser kommuniziert hier mit mit Forschungsanstalten und Universitäten, arbeitet eng mit Fachleuten und Wissenschaftlern zusammen. Und immer bezieht sich seine Forschungstätigkeit auf die Thematik „Mensch und Maschine“.

Gelungene Wirtschafsförderung

Bösser hat jahrelang in den Niederlanden als Manager in bedeutenden Firmen gearbeitet und wichtige Beziehungen geknüpft, zu Wirtschaftsführern, Studierenden, Professoren und Politikern. Er wollte sich selbstständig machen, - das Knowhow dazu hatte er. So nahm er Kontakt auf zu Wirtschafsförderern in Frankreich, Italien und in der Schweiz. Für den Standort seines Unternehmens wollte er die beste Wahl treffen und schaute sich bei den zuständigen Stellen in verschiedenen Kantonen um.

Da sagte ihm jemand, er könnte doch mal in den Kanton Uri fahren. Bösser kannte Uri nicht, war neugierig, machte sich auf den Weg und gelangte nach Spiringen. Die Abgeschiedenheit hier, die Ruhe, das Ursprüngliche, der Kontrast zwischen den vergletscherten Berggipfeln und grünen Hügeln, das gefiel ihm. Er wanderte von der Kirche aus ein Stück in die Höhe und sagte intuitiv: „Da möchte ich bleiben.“

Im Schächental gelandet

Für seine Forschungstätigkeit braucht Bösser neben dem Internet viel Ruhe und gute Luft und die Gelegenheit, bei einem Spaziergang über schwierige Dinge nachzudenken. „Alles, was ich brauche, ist da“, sagte Bösser und machte sich auf Wohnungssuche. Durch Zufall fand er an dem Ort, wo er sich zum ersten Mal aufgehalten hatte, eine passende Wohnung. Hier richtete er sich mit dem Computer ein, was ja nicht viel Platz erfordert.

Bösser: „Der Internetanschluss war bald hergestellt, der Gemeindeschreiber war sehr kooperativ. Rasch fanden sich die von der Swisscom geforderten nötigen 30 Interessenten für einen ADSL Anschluss.“ Bösser freut sich noch heute über die gelungene Kommunikation mit den Behörden.

Natürlich kann Bösser nicht nur von seinem virtuellen Raum aus arbeiten, er braucht direkte Kontakte zu Mitarbeitern. „Das Reisen in alle Welt von Spiringen aus ist kein Problem für mich“, sagt Bösser. Wie schnell ist er in Arth Goldau, wo er in den Zug umsteigen kann, um zu einem Flugplatz zu fahren, und auch nach Mailand dünkt es ihn nicht weit. Wer viel reist, für den fällt eine halbe Stunde mehr Anfahrt nicht ins Gewicht.

Forschung zum Thema „Mensch und Maschine"

„Wir untersuchen Prozesse, Dialoge und Aktionen, welche die ‚User’ verwenden“, sagt Bösser und weist darauf hin, dass die Forschung auf seinem Gebiet vor Jahren angefangen hat und mit grossem Engagement weiter betrieben wird. So werden zum Beispiel neue Algorithmen für Suchmaschinen erforscht, die nicht nach Schlüsselworten, sondern nach semantischen Kriterien funktionieren.

Bösser arbeitet eng mit den Universitäten und Unternehmen in ganz Europa zusammen und lehrt an der Universität in Münster. Drei Komponenten in seinem Leben ergänzen einander. Die Forschung im Internet, das Leben inmitten der einzigartigen Naturschönheiten im Schächental, das Reisen in alle Welt.